Nun ist es auch dem Spiegel
aufgefallen: Aufbauend auf neuer Technik beginnen sich neue Kommunikationsstrukturen zu verbreiten und zu etablieren.
Im Prinzip ist das nichts neues.
Ich erinnere mich an die Zeit vor zehn Jahren, als ich anfing, zu studieren. Damals bekam ich Kontakt mit etwas, das sich "Internet" nannte und das (fast) kein Schwein kannte. Vordergründig konnte man darüber Daten austauschen, per FTP die neuesten Fish-Disks für den Amiga aus dem Aminet ziehen, es gab Archie, Gopher und etwas merkwürdiges namens WWW, das noch keiner so recht kannte. Und man konnte Mail an Menschen auf der anderen Seite des Globus oder im Wohnheimzimmer nebenan schicken, die dann "so viele Sekunden wie die Bundespost Tage" brauchte, wie es ein Bekannter es damals formulierte. Man konnte in Newsgruppen mit anderen Leuten über alle möglichen Themen diskutieren. Und man konnte über ein Programm namens IRC sogar in Echtzeit mit diesen Menschen reden. Wenn, ja wenn man Zugang hatte.
Der Zugang war seinerzeit das Problem. Man konnte Student an einer Uni sein und das Glück haben, dort Terminalräume oder Einwahlmodems nutzen zu können (letzteres für 23 Pfennig pro 12 Minuten abends und am Wochenende, oder pro 6 Minuten tagsüber; mit atemberaubenden 14.400 bps). Man konnte viel Geld haben und sich bei einem der wenigen kommerziellen Provider einen Zugang erkaufen.
Oder man konnte das Glück haben, von Subnetz oder Inidivdual Network gehört zu haben. Beim Subnetz war man "drin" (wie ein bekannter Tennisspieler Jahre später sagte), wenn man ein System fand, das einen anband. Mein Uplink hieß damals "beansidhe.ms.sub.org", stand im Wohnheim nebenan und wurde von
Sören betrieben, der mir auch half, mein erstes CNews auf nightingale zum Laufen zu bekommen, nachdem die Slackware-Pakete eine Installation mit völlig kaputten Rechten hinterlassen hatten. Beim IN war das ganze etwas formalisierter, man mußte Vereinsmitglied sein und durfte seinen Zugang nur nichtkommerziell nutzen. Dafür waren die Anbindungen häufig besser, einige IN-Vereine hatten sogar richtiges IP statt nur UUCP.
Subnetz und IN waren damals das, was die
Freifunker heute sind: Eine Möglichkeit zur freien Kommunikation. "Frei" nicht nur im Sinne von "kostenlos", sondern gerade dadurch auch im Sinne von "ungehindert und unzensiert". Leider haben beide die Kommerzialisierung des Internets und seine Reduzierung auf
Klickibunti-WWW nur knapp überlebt, und das, obwohl die großen Firmen die Entwicklung zuerst verschlafen haben.
Hoffen wir, daß es den neuen Kommunikationsstrukturen besser ergeht, wenn die "global player" diesmal aufwachen.
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