Die Zeiten langwieriger Selbstfindung seien vorbei - heute gelte es, keine Zeit zu verlieren und Fehler zu vermeiden.
Dieses Zitat stammt
aus einem Artikel über Karriereberater. Aber nicht für irgendeine Zielgruppe, sondern speziell für Oberstufenschüler ab der 11. Klasse.
Mir wird spontan schlecht, wenn ich solche Sätze lese. Für mich ist jemand, der sich keine Fehler erlaubt (oder dem von seiner Umgebung keine Fehler erlaubt werden) ein armer, bemitleidenswerter Mensch. Jemand, der für die Bildung einer menschlichen Persönlichkeit wichtige Dinge nie gelernt hat und geistig arm ist. Der nie gelernt hat, seinen eigenen Weg zu finden (und nicht nur von anderen vorgegebene Pfade zu begehen). Der nie mitbekommen hat, daß man nicht perfekt sein muß, um in dieser Welt zu bestehen - und daß es häufig gerade die Fehler und Schwächen sind, die einen Menschen auszeichnen, die eine Persönlichkeit bilden und die einen Menschen liebenswert machen.
Mir graut vor dem allgegenwärtigen Perfektionismuswahn. Es wäre an der Zeit, in diesem Bereich mal die Notbremse zu ziehen. Oder wollen wir wirklich in einer Zukunft voller seelen- und geistloser Roboter leben?
Mit Dank an den Sartorienfelder, über den ich auf den Artikel aufmerksam wurde.
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