Sunday, January 28. 2007
Heute vor 5 Jahren starb eine Frau, die mit ihrem Lebenswerk vermutlich nicht nur meine Kindheit und Jugend geprägt hat: Astrid Lindgren.
Die biographischen Angaben kann man im Internet problemlos finden. Aber viel wichtiger als das Wissen, daß sie mehr oder weniger durch Zufall Autorin wurde oder ihr Protest gegen das Steuerrecht eine schwedische Regierung stürzen ließ sind eigentlich andere Dinge.
Sie hat gewußt, daß Kinder Liebe und Freiraum brauchen, um wachsen zu können. Das zeigen ihre Figuren, ob sie nun Pippi, Michel, Lotta, Karlsson oder noch ganz anders heißen. Sie hat Kindern gezeigt, daß Phantasie etwas gutes ist, etwas, mit dem man die anscheinend übermächtigen Erwachsenen ausmanövrieren und zum Nachdenken bringen kann - und Erwachsenen, daß in ihnen immer auch ein Kind schlummert, das gerne wieder ans Tageslicht möchte, und daß es gut ist, ihm dies zu gewähren.
Mein Lieblingsbuch von ihr ist nicht Pippi Langstrumpf, auch wenn es das erste war, das ich gelesen habe. Es sind auch nicht die Geschichten um Kalle Blomquist, die ich als Kind in der Gemeindebücherei ausgeliehen und regelrecht verschlungen habe. Es ist die Geschichte der "Bröderna Lejonhjärta", der Brüder Löwenherz. Eine Geschichte, in der die Sinnlosigkeit von Gewalt gezeigt wird, die berichtet, daß auch kleine Leute gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner siegen können - und daß das Leben mit dem Tod nicht zuende ist. Lesenswert und tröstlich - nicht nur für Kinder, auch und gerade für Erwachsene.
Danke, Astrid, für all das, was Du dieser Welt gegeben hast.
Die deutsche Automobilindustrie wehrt sich vehement gegen eine gesetzliche Verpflichtung, den CO 2-Ausstoß von Neuwagen auf 120 Gramm pro gefahrenem Kilometer zu begrenzen - nachdem absehbar ist, daß sie eine Selbstverpflichtung zu einer Begrenzung auf 140 Gramm pro Kilometer nicht einhalten wird. Und wie in solchen Dingen üblich wird natürlich die Arbeitsplatzkeule geschwungen - DaimlerChrysler behauptet zum Beispiel, dann die Prduktion der C-, E- und S-Klasse einstellen zu müssen, was 65.000 Arbeitsplätze kosten würde. Und wie ebenfalls üblich, stoßen auch die Gewerkschaften munter in das gleiche Horn.
Warum nur erinnert mich das an die Mitte der 1980er Jahre, als über eine verpflichtende Ausstattung von Autos mit einem Katalysator debattiert wurde? Steueranreize und Selbstverpflichtungen waren auch damals schon zahnlos gewesen, und auch damals wurde der Untergang der deutschen Autoindustrie prophezeiht.
Merkwürdig nur, daß auch heute noch in Wolfsburg, Köln, Bochum, Rüsselsheim, Sindelfingen und noch an vielen anderen Orten Autos zusammengebaut werden, die sich anscheinend nicht schlecht verkaufen, wenn man den Konzernberichten glauben mag...
Saturday, January 27. 2007
Im Vollzug der Freiheitsstrafe soll der Gefangene fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen (Vollzugsziel). Der Vollzug der Freiheitsstrafe dient auch dem Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten.
(§ 2 des Strafvollzugsgesetzes)
In der aktuellen Debatte um die eventuelle Begnadigung des RAF-Terroristen Christian Klar mehren sich die Stimmen, die eine vorzeitige Haftentlassung Klars scharf ablehnen. Daß die Angehörigen der Opfer dieser Meinung sind, ist durchaus einzusehen, auch wenn zum Beispiel Michael Buback dazu eine differenzierte Meinung hat. Aber auch Politiker wie der CDU-Fraktionschef Kauder werden mit Aussagen zitiert, die mich daran zweifeln lassen, ob sie den Sinn unseres Strafsystems verstanden haben.
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Friday, January 26. 2007
Ich habe mich entschlossen, den Inhalt dieses Blogs unter eine Creative Commons-Lizenz zu stellen, und zwar konkret unter die Lizenz mit dem auf deutsch etwas sperrigen Titel "Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Deutschland". Diese Lizenz gibt relativ gut das wieder, was ich mit meiner bisherigen Formulierung beabsichtigt hatte, und ist aufgrund ihrer Herkunft auch für ausländische Besucher verständlich.
Wednesday, January 24. 2007
Was macht man als Verleger einer Zeitung, wenn man findet, daß das eigene Blatt ein wenig behäbig wirkt, etwas angestaubt vielleicht, nicht mehr so recht zeitgemäß? Richtig, man verpaßt dem ganzen eine Runderneuerung, auf neudeutsch auch Relaunch genannt. Normalerweise erneuert man das Layout, führt vielleicht neue Rubriken ein - aber man stützt das ganze üblicherweise auf die vorhandene Redaktion, vielleicht ergänzt durch etwas frisches Blut. Besonders dann, wenn es um den Lokalteil geht. Denn der lebt von Kontakten, davon, daß die Redakteure und freien Mitarbeiter sich in ihrer Umgebung auskennen und wissen, wann und wo es etwas interessantes gibt.
Die Münstersche Zeitung macht das anders - sie wirft die ganze Lokalredaktion raus, auf amerikanische Art. Dem Artikel nach zu urteilen hatte man es zuerst mit einer Art von Mobbing versucht, aber Westfalen sind stur und halten auch unter widrigen Umständen aus. So hat man der Redaktion (die zum Teil schon seit Jahrzehnten für die MZ schreibt) dann halt kollektiv verkündet, sie habe heute ihre letzte Ausgabe der Zeitung produziert. Man könne sich ja beim neuen Subunternehmen bewerben. Gottseidank scheint es dort einen Betriebsrat zu geben, so daß der Verlag sicherlich noch ein paar unangenehme Fragen nach Dingen wie "Kündigungsschutz" und "Sozialplan" zu beantworten haben wird.
Warum wundert es mich nicht, daß dieser Vorgang sich bei der Zeitung in Münster abspielt, die gemeinhin als der perfekt gewellten, gelben Spaßpartei nahestehend gilt?
Nachtrag: Auch bei Indiskretion Ehrensache hat man seine Meinung zu den Vorgängen.
Als Westfale empfindet man es ja erst einmal als normal, daß am Tag 1 des Schneefalls der ÖPNV zusammenbricht. Schließlich hat Münster keine Straßenbahn, der westfälische Autofahrer ist dieses weiße Zeug nicht so sehr gewohnt (Bewohner des Sauerlandes mal ausgenommen), und die Streudienste können nicht überall gleichzeitig sein.
Etwas überrascht hat mich allerdings, daß der Schwabe an sich anscheinend die gleichen Probleme hat. Jedenfalls bestand mein Weg zur Arbeit heute aus einem dreiviertelstündigen Schneespaziergang, weil in und hinter Bad Cannstatt keine Stadtbahn fuhr (Entgleisung am Wilhelmsplatz, womit die östlichen Äste der U1, U2 und U13 abgeschnitten waren), die S-Bahn auch vor dem Einfahrsignal von Bad Cannstatt verhungerte und die SSB den Busverkehr komplett eingestellt hatten. Gut, 15 cm Schneee sind schon ein bißchen was, aber ich dachte ja, daß es hier im Winter öfter mal schneit und daß die Leute daher etwas souveräner damit umgehen würden als die Westfalen.
Nun ja, der Spaziergang war ganz schön, und ein paar Bilder gibt es heute abend vermutlich auch - das Datenkabel liegt natürlich zuhause.
Monday, January 22. 2007
Eigentlich sollte hier ein längerer Artikel über die Entwicklungen in der Blogosphäre in Deutschland innerhalb des letzten Jahres stehen. Allein, mein Serendipity war mit dem Session-Cookie nicht mehr zufrieden und zeigte mir einen Login-Dialog statt einer Vorschau - und der mühsam geschriebene Text war futsch.
Daher hier nur ein Hinweis darauf, daß sich heutegestern der Tag jährte, an dem der Begriff "Klowände des Internet" für die Blogosphäre geprägt wurde - und der Prägende sehr schnell sehr viel über die Macht des Netzes lernte.
(Gefunden beim Schockwellenreiter)
Sunday, January 21. 2007
Heute Nacht scheint die Nacht der Kommentarspammer gewesen zu sein: Ich habe gerade etwas über 500 Spam-Trackbacks in das Nulldevice verfrachtet, und Rince berichtet von ähnlichem Beschuß.
Meine Kommentarfunktion bleibt aktiv, falls aber jemand im Laufe der letzten Tage nichtspammend getrackbackt hatte, ist dieser Trackback ebenfalls verschwunden. Sorry for the inconvenience.
Tuesday, January 16. 2007
Das, was ihr eben gar nicht gespürt habt, war das Upgrade meiner Blogsoftware (die sich unbescheiden "das beste Blog der Welt" nennt - und zwar völlig zu Recht.
Falls allerdings wider Erwarten doch noch etwas klemmen sollte, bitte ich um Nachsicht und Nachricht.
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