Wie schnell die Zeit vergehen kann...
Heute ist es auf den Tag genau 20 Jahre her, daß bei einem Tanklastzug in der Anfahrt auf das hessische Herborn die Bremsen versagten, so daß dieser ungebremst in den Ortskern raste und dort in einer Kurve umkippte. 34.000 Liter Treibstoff traten aus und explodierten - mit drei Minuten Verzögerung.
Diese drei Minuten (und die Tatsache, daß eine Pizzeria gerade Betriebsferien hatte) retteten vermutlich vielen Menschen das Leben - es gab "nur" 6 Tote, ursprünglich waren bis zu 50 Tote befürchtet worden. Der Hessische Rundfunk
erinnert mit Sonderseiten an diesen größten Gefahrgutunfall in der Bundesrepublik Deutschland - unter anderem mit einem Interview mit dem damaligen stellvertretenden Leiter der Herborner Feuerwehr und Fotos, die das Inferno verdeutlichen.
Und 20 Jahre und einen Tag früher hatten Menschen bei einem Unfall mit einem Tanklastzug weniger Glück. Am 6. Juli 1967
kollidierte im Bahnhof Langenweddingen der Personenzug P852 von Magdeburg nach Thale mit einem Tanklastwagen, der 15.000 Liter Leichtbenzin geladen hatte. Das Benzin verteilte sich über und um die Doppelstockwagen, entzündete sich und explodierte. Nach offiziellen Angaben starben 94 Menschen - darunter 44 Schulkinder auf dem Weg in ein Ferienlager im Harz. An der Rettung beteiligte Personen schätzen diese Zahl jedoch als zu niedrig ein und gehen von bis zu 140 Toten aus.
Ursache war in beiden Fällen menschliches Versagen, nachdem die Technik zuvor versagt hatte. In Herborn waren die Bremsen des Tankaufliegers schadhaft, der Spediteur setzte den Auflieger aber weiter ein. Der Fahrer prüfte kurz vor Herborn die Bremsen und entschied sich, mit dem defekten Auflieger weiterzufahren. In Langenweddingen hatte sich die Schranke des Bahnübergangs in einer Freileitung der Post verfangen - der Schrankenwärter versuchte, sie zu lösen, vergaß dabei aber, das Signal für den Personenzug wieder auf Halt zu stellen. Der Fahrer des Tanklastzugs interpretierte die halb geschlossene Schranke als Signal, noch schnell den Bahnübergang zu queren - ein Irrtum mit tödlichen Folgen.
So sehr man versucht ist, sich auf Technik und auf andere Menschen zu verlassen - man sollte nie vergessen, daß alle Technik versagen kann und daß alle Menschen Fehler machen können - und daß man am Ende selbst derjenige ist, der seine Handlungen verantworten muß.
Mein Latein ist ziemlich, äh, festgerostet - ich hoffe, ich liege mit dem Plural von "memento diem" nicht allzu weit daneben... Dank an das Feuerwehr-Weblog für den Hinweis auf Herborn, der den Anstoß zu diesem Artikel gab.