Unter diesem Motto (das man im 5. Buch Mose in Kapitel 6, Vers 20 findet) stand in diesem Jahr der
30. Deutsche Evangelische Kirchentag in Hannover, an dem ich in der letzten Woche teilgenommen habe.
Kirchentage sind für mich immer etwas Besonderes. Eine Gelegenheit, sich intensiver mit dem eigenen Glauben zu beschäftigen, als es der Alltag mit all seinen Anforderungen zuläßt, und einmal über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Menschen zuzuhören und mit ihnen zu reden, die ähnliche oder ganz andere Ansichten haben als man selbst. Auch wenn man nicht unbedingt Antworten bekommt, nimmt man doch Denkanstöße für sich selbst mit, und das ist eigentlich das wichtigste. Die Antworten muß man ohnehin für sich selbst finden, das kann einem niemand abnehmen. Jedenfalls ist das für mich ein zentrales Element meines (christlich-evangelischen) Glaubens, befreiend und verpflichtend zugleich: Es gibt niemanden, der mir vorschreiben kann, was und wie ich zu glauben habe - das kann nur ich selbst entscheiden, und um diese Entscheidungen treffen zu können, muß ich mich selbst immer wieder damit auseinandersetzen.
Eine ganz besondere Atmosphäre liegt in dieser Zeit über den gastgebenden Städten, das habe ich immer wieder erfahren können - im Ruhrgebiet 1991 wie in München 1993, in Hamburg 1995, in Stuttgart 1999 und ganz besonders in Berlin 2003 beim ökumenischen Kirchentag. Es ist ungewöhnlich, wenn man von der automatischen Bahnhofsansage in Hannover Hbf nicht mehr in der "Expo- und Messestadt Hannover" begrüßt wird, sondern in "Hannover, Stadt des Deutschen Evangelischen Kirchentages". Die Hannoveraner sind überfüllte Stadtbahnen zur Messe ja gewohnt - jeder, der schon einmal auf der CeBit war, weiß wovon ich rede -, aber daß alle Fahrgäste geduldig warten, daß niemand drängelt, schiebt oder schimpft, daß vielmehr selbst in gestopft vollen Stadtbahnen bei über 30 Grad Temperatur völlig Fremde miteinander reden und singen, das muß man wohl erlebt haben, um es zu begreifen. (Nicht umsonst verabschiedete die Üstra am Sonntag die Kirchentagsbesucher auf den elektronischen Zielanzeigern der Haltestellen mit "Sie waren tolle Gäste!")
Höhepunkte gab es einige, ganz unterschiedliche: Den Eröffnungsgottestdienst auf dem Opernplatz, Musik, Gespräche und Lichtermeer am "Abend der Begegnung", Feuertheater in den Herrenhäuser Gärten (in das ich durch Zufall geraten bin - auch solche zufällig gefundenen Perlen gehören für mich zum Kirchentag), Gespräche auf dem "Markt der Möglichkeiten" an so unterschiedlichen Ständen wie dem der
Bundesbeauftragten für die Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes, der
Anne-Frank-Ausstellung und des
Arbeitskreises SM und Christsein. Nicht zu vergessen den Gottesdienst in der Feuerwache 1, organisiert von der
Arbeitsgemeinschaft Notfallseelsorge und gemeinsam mit meiner Liebsten, und schließlich dem Abschlussgottesdienst auf dem Schützenplatz, an dem dann auch noch meine Schwester teilnahm.
Mein persönliches Fazit: Es ist immer wieder interessant, daß eine solche Veranstaltung gleichzeitig unheimlich anstrengend und unglaublich erholsam sein kann, daß man abends müde im Bett liegt und trotzdem so viel Kraft für den Alltag mitnimmt. Es tut gut zu sehen und zu spüren, daß man nicht alleine ist, wenn man im christlichen Sinne glaubt, ohne dabei die Bodenhaftung zu verlieren. Und wenn mein Kind mich morgen fragt, warum ich eigentlich glaube, habe ich zwar keine endgültigen Antworten, aber vielleicht kann ich erzählen und eine Ahnung vermitteln.
Irgendwie ist es alle zwei Jahre das gleiche: Ich mache einen groben Plan der Veranstaltungen, die ich auf dem Eveangelischen Kirchentag interessant finde - primär um nicht interessante Veranstaltungen zu übersehen, denn so ein Plan kann nicht in Stein ge
Tracked: Jun 02, 18:39