Wednesday, January 28. 2009VerständnisproblemTrackbacks
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Vermutlich ist Ihnen - wie anderen Fanatikern - es eigen, dass sie keine Religion neben der eigenen gelten lassen. Das ist ein bisschen hart formuliert, läuft aber letztenendes darauf hinaus, dass man Einsichten, zu denen man selber nach reiflicher Überlegung und viel Lebenserfahrung gekommen ist, anderen aufdrücken möchte.
Wobei die eigene Religion nicht zwangsweise etwas mit den Weltreligionen zu tun haben muss. Für einige ist es es das höchste Glück, Geld in grosser Menge zur Verfügung zu haben und sie opfern sich auf, in dem Vorhaben, das zu schaffen. Ein gesteigertes Harmoniebedürfnis kann auch zur Religion werden. Diese Liste ist endlos. Ein Wort zu den Verfehlungen der Kirche. Nahezu jede Gemeinschaft hat Verfehlungen und sogar Verbrechen in ihrer Geschichte vorzuweisen. Die Kirche hat einfach nur eine besonders lange Geschichte ... Ich persönlich bin überzeugter Atheist. Ich habe ein Problem mit organisierter Religion, dem Glauben an übernatürliche Phänomene und ähnliches.
Ich bin fest davon überzeugt, dass alles was passiert, im Prinzip wissenschaftlich erklärbar ist. Alles. Mit Sicherheit noch nicht mit jetzigem Stand der Wissenschaft, vielleicht auch noch nicht in 100 Jahren, eventuell auch nie. Aber ich sehe nach heutigem Stand nichts, was gegen ein deterministisches Universum mit allen Konsequenzen spricht (auch nicht die Quantenphysik). Ich halte Religion deshalb für schädlich, weil sie im Kern wissenschaftliche Ideale unterminiert, genau wie die Wissenschaft die Religion unterminiert. (Wobei ich nicht bestreiten will, dass es gottesgläubige Wissenschaftler gibt, auch wenn sie vermutlich sehr sehr deutlich in der Unterzahl sein dürften) Die Wissenschaft sagt: Schau, beobachte die Welt, stelle Theorien auf, warum etwas passiert, überprüfe und verfeinere die Theorien immer und immer wieder und sobald du eine reproduzierbare Beobachtung machst, die deiner Theorie grundsätzlich widerspricht, verwirf die Theorie und fang neu an. Die Religion sagt: Es gibt Dinge, die musst du nicht verstehen, kannst du nicht verstehen, also ist es besser, wenn du es gar nicht erst versuchst. Die organisierte Religion fügt hinzu: Ach ja, denk dran, bezahl schön deine Kirchensteuer. Warum wissenschaftlich denkende Atheisten oftmals recht schnell recht in Diskussionen mit Gläubigen welcher Geschmacksrichtung auch immer verbal aggressiv werden, ist meiner Meinung nach (BTDT), weil sie auf den Kern reduziert von der anderen Seite ein und exakt ein Argument in vielen Variationen hören: "Ich weiss, es ist so, weil ich gern hätte, dass es so wäre.", wobei "wissen" in diesem Kontext selbstverständlich nicht das bedeutet, was ein Wissenschaftler unter "wissen" versteht. Die eine Seite argumentiert sich die Münder wund, bringt Studien, Zahlen, Untersuchungen, Belege, theoretische Überlegungen, praktische Logikprobleme und die andere Seite hält sich derweil die Ohren zu und rezitiert das Glaubensbekenntnis. Das ist nunmal frustrierend, wenn man aneinander vorbeiredet. Ich habe ein Problem mit der "reinen" Wissenschaft. Natürlich kann man das Gefühl "Zuneigung" als biochemischen Vorgang im Gehirn erklären, leider kennt nur niemand den Auslöser ...
"Also ist es besser, dass Du es niemals versuchst", hat mir noch niemand erzählt, das war im Mittelalter aber weit verbreitet (nur ist das auch schon ein paar hundert Jahre her). Nur weil bisher noch niemand den (oder die) "Auslöser" gefunden hat, heisst das selbstverständlich noch lange nicht, dass es ihn nicht gibt.
Trotz allem steht die Gehirnforschung noch ganz am Anfang. Ich habe erhebliche Zweifel, dass jemals ein Mensch das Gehirn komplett verstehen wird - andererseits sehe ich derzeit aber auch keine Anzeichen, dass das Gehirn nichtdeterministisch wäre - im Gegenteil: soweit ich weiss, ist der grundsätzliche Determinismus des Gehirns derzeitiger Stand der Forschung. Und zu "Also ist es besser, dass Du es niemals versuchst": Versuch doch mal mit einem Gläubigen eine wissenschaftliche Diskussion zur (Nicht-)Existenz von Gott zu führen (womit zumindest dieser Kreis geschlossen wäre). Zum Letzeren: Es gibt einen Grund dafür, warum das "Glauben" heisst. Es gibt keine wissenschaftlich belegbaren Beweise. In der christlichen Lehre spielt die freie Entscheidung für oder gegen Gott eine grosse Rolle, für oder gegen den Glauben an Gott. Wenn es wissenschaftlich belegbar wäre, gäbe es keine _freie_ Entscheidung.
Dazu kommt, dass unabhängig davon, ob christlich oder nicht, Menschen, die von einer Sache überzeugt sind, sich nur sehr schwer zu etwas anderen bringen lassen. Versuche einmal einem Nihilisten etwas über Zuneigung oder Liebe zu erklären. Ich bin der festen Überzeugung, dass Absolutismen falsch sind (und ich bin mir bewusst, dass der Satz ein Paradoxon darstellt). Ich halte die wissenschaftliche Methode für universell anwendbar. Ich sehe exakt keinen Grund, warum in irgendeinem Bereich irgendeine Ausnahme davon gemacht werden sollte. Nicht wenn einer empört aufstampft, nicht wenn das 100 tun und selbstverständlich erst recht nicht, wenn das Millionen tun.
Der Glaube an Gott ist wissenschaftlich (evolutionär) erklärbar. Gott nicht. Für mich persönlich ist spätestens an diesem Punkt die Entscheidung gefallen. Dass es schwer ist, Menschen zu überzeugen, ist mir bewusst. Wenn diese Überzeugung aber auf Fakten, Beobachtungen, Messungen beruht, ist es bei Weitem nicht so schwer, wie wenn man gegen "Ich hätts aber gerne andersrum" anredet. Es ist eine Menge mehr wissenschaftlich (historisch belegbar mit Fakten) erklärbar als Du denkst.
Das würd mich dann doch interessieren.
Sind tatsächlich irgendwelche "Wunder" oder Gottesinterventionen von mehreren voneinander unabhängigen primären Quellen ohne Eigeninteressen dokumentiert? Es ist nicht nur so, daß die Kirche reichlich schlimme Geschichte hinterlassen hat (das ist SICHER ein Punkt der zu den erwähnten Verwerfungen beiträgt), sondern auch heute noch *nennen* sich viele Menschen Christen und rennen in die Kirche (wir haben da immer "Tabernakelwanzen" zu gesagt) und *leben* aber nicht christlich, sondern sind jeden Tag gemein zu ihrer Umwelt.
Das macht den Ruf der Christen/Kirchgänger eben nicht besser und diejenigen, die sich wirklich um ein "gottgefälliges" bzw. auch nur anständiges Leben bemühen, kommen mit in den Topf. Ich glaube auch, man hatte es als guter/anständiger Mensch noch nie leicht. Ich selber bin ein Fan von Jesus, denn er war mit seinem unkonventionellen Umgang und seinen Überzeugungen ein echter Querulant. Einer, der sich was traut, entgegen den Gepflogenheiten. Einer, der sich für andere einsetzt. Diesen Aspekt des Christseins sollte man auch nicht aus den Augen verlieren. Und das ist nun echt nix Fanatisches. Niemand, der in eine Garage geht, wird automatisch zum Auto. Niemand, der in die Kirche geht, ist automatisch Christ.
Momentan würde ich nicht sagen, dass ich Christ bin, aber ich empfinde mich als Humanist (das sieht von aussen vielleicht ähnlich aus). Ich glaube es stammt aus Ferris macht Blau: "Ich bin gegen jede Form von -ismus". Und das finde ich erstmal garnicht so weit daneben (jetzt können alle schön Ausnahmen suchen und die auch finden, ihr habt dann Erbsenzählismus).
Und wenn jemand anfängt einen Standpunkt als den garantiert richtigen zu sehen - und viele Religionen enthalten leider ein Verpflichtung in ihrer Basisregeln genau das zu tun - und damit alle anderen für sich unakzeptabel macht, dann führt das logischerweise zu streit. Ist das wissentschaftliche Weltbild legitim? Absolut, denn es funktioniert und erlaubt uns viele Dinge zu tun, die wir sonst nicht tun könnten. Gibt es einen Gott? Ja, natürlich gibt es den. Alleine weil so viele Menschen an ihn glauben wird er zu einer Realität. Und wenn viele Menschen an ein fliegendes Spagetthimonster glauben würden, dann würde auch das zu einer Realität. Götter existieren durch den Glauben an sie. Nicht als alter Mann im Schaukelstuhl, aber als ein Teil der Welt, der auf ihre Geschicke einfluß nimmt. Leider sind einige der Gottes-Verweigerer zu verbohrt in ihrem kindlichen Weltbild um zu erkennen, daß etwas existieren kann ohne eine körperliche Präsenz - was für dunkle Materie, Gravitation und Zeit kein Problem darzustellen scheint. Komisch eigentlich. Aber die Religionen sind eine Realität und sie haben einen Einfluß auf die Menschen - nachweislich verleiten sie einige dazu nette Dinge zu tun und andere dazu in den Krieg zu ziehen. Außerdem gibt es noch einen guten Grund alle Religionen zu akzeptieren: Falls doch eine recht haben sollte, dann steht man hinterher nicht ganz so doof da vor dem jüngsten Gericht / Wiedergeburtskomitee oder was es da sonst noch so gibt. Zu viel Pratchett gelesen?
Es geht ja nicht darum, ob die "Idee Gott" existiert, das tut sie unbestritten. Aber dieser völlig ohne physikalischen Rückhalt existierende Gott ist wohl kaum dazu imstande, das Universum, die Menschheit erschaffen zu haben. Jeden unserer Gedanken zu hören (Nungut, das auf einer seeeehr anderen Ebene eventuell schon). Wunder zu vollbringen. Wie gesagt, ich halte es für ein Gerücht, dass irgendein Atheist ernsthaft bezweifeln wird, dass die "Idee Gott" in den Köpfen vieler Menschen existiert und Einfluss auf sie nimmt. Aber daraus dann ein Bewusstsein der kollektiven Gedanken oder sonst eine physikalische Manifestation herzuleiten, halte (hoffentlich nicht nur) ich für metaphysischen Unfug. Und zum letzten Absatz: Die Pascalsche Wette ist für Feiglinge Im Ernst, wie sagt doch Richard Dawkins so schön: "Wir sind alle Atheisten in Bezug auf die meisten Götter an die die Menschheit je glaubte. Manche von uns gehen nur einen Gott weiter." - Woher willst du wissen, dass nicht... uhm... Baal der enizig wahre Gott[tm](c) ist. Oder Zeus? Amun? Oder sonst einer der unzähligen vergessenen Götter? Die Existenz von Gott zu zu entscheiden stelle ich mir recht einfach vor.
Um einen Beweis führen zu können, muss ich erst mal Definitionen haben, aus denen ich folgern kann. Jetzt gibt es allerdings viele verschiedene Quellen, die Gott beschreiben wollen. Nun gilt es, die richte Auswahl an Quellen zu treffen, die als richtig eingestuft werden. Bei ungewünschtem Ergebnis ändere ich meine Einstufung. Da sind also Leute, die nicht nur mal versehentlich abwegigen Plunder glauben so wie alle Menschen, sondern das zum Prinzip ihres Lebens erheben. Und die dürfen alle wählen.
Und Du wunderst Dich, dass wir Angst haben? Atheismus, so wie er von diesen Personen vertreten wird, ist eben selbst eine Religion: Er formuliert eine Grenze zwischen Gut und Böse, ist mit einem (diesseitigen) Heilsversprechen verbunden und ruft überdies zur Bekehrung, wenn nicht gar Bekämpfung der - aus seiner Sicht - Ungläubigen auf.
"wenn nicht gar Bekämpfung"?
BITTE? Wollen wir ernsthaft vergleichen, wie viele Menschen im Namen eines Gottes und wieviele im Namen des Atheismus ermordet oder auch nur körperlich verletzt wurden? Tja. Wenn man damit anfängt, dann dürften so manche Leute, die Religionsfeindschaft schon an sich gesehen für etwas ethisch hochstehendes halten, sehr gründlich von ihrem hohen Roß heruntergeholt werden.
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