Wednesday, November 11. 2009Konstruktives und destruktives GruppenverhaltenTrackbacks
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Was mich an Kristians Vorschlägen nicht grundsätzlich, aber im einzelnen von Anfang an gestört hat ist die oft durchscheinende Einstellung, eine Newsgroup - ein Forum, ein Blog, whatever - sei irgendwie eine Art Hotline o.ä., die "Support*fälle*" abarbeite. So sehr ich im Grundsatz seiner Darstellung zustimme, für so falsch halte ich diese Einschätzung, von Ausnahmefällen abgesehen.
Ich nehme an Newsgroups / Foren / ... teil, wenn, weil und solange mich die Materie interessiert und ich mich darüber austauschen möchte: sei es, daß ich primär (staunend und) lernen mitlese, sei es, daß ich primär Antworten gebe, sei es ein Mittelding. Nie aber wäre ich daran interessiert, kostenlosen Support zu betreiben, es sei denn, ich habe irgendwie einen besonderen, weitergehenden Bezug zu der Angelegenheit oder Institution. Das schließt natürlich nicht aus, daß ich gerne auch Fragen und Probleme von Neulingen nach bestem Wissen beantworte und mich dabei bemühe, hilfreich und höflich zu sein - es hat aber doch einen etwas anderen Zungenschlag als die Darstellung der Neulinge als "Kunden" oder ihrer Probleme als "Fälle". Und, nicht zuletzt: ich habe nicht den Eindruck, daß es mit diesem Konzept besser funktioniert hätte als anderswo. d.c.l.p war offenbar eine qualitativ hochwertige Gruppe mit einem netten Umgangston und einer gut gepflegten FAQ, aber eben auch nur so lange, wie - insbesondere Kristian und - ein harter Kern dort präsent war und die hauptsächliche Arbeit geleistet hat. Danach hat sich die ganze Geschichte ziemlich schnell erledigt. Das aber hat in anderen Newsgroups / Foren / ... m.E. genauso gut funktioniert, solange aber jemand willens war, diese Arbeit zu leisten. Ich würde daher einen etwas anderen Zungenschlag hereinbringen wollen und - was in der FAQ von dclp übrigens der Fall war - in gleicher Weise die Verpflichtungen von Neulingen und Fragestellern thematisieren, und, noch viel wichtiger, betonen, daß auch bei besten Voraussetzungen und entsprechendem Goodwill mit am wichtigsten die (im Usenet fehlende!) Möglichkeit ist, Störenfriede auszuschließen (also diejenigen, die auf gutes Zureden und ggf. sozialen Druck allein nicht reagieren oder die gar von Anfang an nur auf Destruktion aus sind. Das verhindert zum einen ein Ausbrennen der aktiv(st)en Mitglieder der Gemeinschaft und ist zum anderen letztlich der einzige Weg, die Gruppe "sauber" und nutzbar zu halten (jedenfalls dann, wenn Störversuche nicht in der schieren Masse hilfreicher und sinnvoller Beiträge untergehen). Diese Möglichkeit der Moderation (zusammen mit verbindlicher Anmeldung) scheint mir zunehmend (neben dem niedrigschwelligen Zugang) *der* zentrale Vorteil der Webforen zu sein, dem sie ihre Stellung verdanken. "Das aber hat in anderen Newsgroups / Foren / ... m.E. genauso gut funktioniert, solange aber jemand willens war, diese Arbeit zu leisten."
Welche Newsgroups waren das denn? Sicher gab es auch in anderen Newsgruppen einen harten Kern, der sich bemüht hat auch Einsteigerfragen zu beantworten, aber so strukturiert wie in dclp ist mir das aus keiner Gruppe bekannt. Die Verpflichtungen von Neulingen und Fragestellern wurden dagegen in zahlreichen Gruppen hochgehalten, ohne dass dies allein zu einem positivem Gruppenklima beigetragen hätte. Ich gehe also durch aus mit Kristian mit, wenn er meint, dass konstruktive und strukturierte "Newbie-Arbeit" den entscheidenden Unterschied zwischen Erfolg und Mißerfolg für das Gruppenklima einer Gruppe mit hohem Newbie-Zulauf ausmachen kann. Leider kam der Niedergang des Usenets zu schnell um weitere empirische Daten für oder wider diese These zu sammeln. Ich sehe allerdings eine Spezialität technik-bezogener Gruppen wie dclp: Es gibt dort eine letztgültige Instanz, die über die "Wahrheit" einer großen Zahl von Diskussionbeiträgen und Ratschlägen entscheidet: der Compiler. Zumindest einem Teil von fruchtlosen Diskussionen wird somit zuverlässig der Boden entzogen. |
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