Ich verlinke mittlerweile ja eher selten einfach nur auf Artikel in Online-Newstickern - meine Stammleser lesen vermutlich ohnehin sehr ähnliche RSS-Feeds wie ich, und mit inhaltsleeren Verlinkungen nach Klicks zu gieren ist mir einfach zu doof.
Denn dieser Artikel erklärt kurz und dicht, was da eigentlich gerade passiert. Warum auf einmal sogar Eltern und Opfer von Kindesmissbrauch sich gegen eine als "Schutz vor Kinderpornographie" verkaufte Gesetzesinitiative wenden - von den mittlerweile über 100.000 (in Worten: einhunderttausend!) Mitzeichnern einer Petition, die sich mit ihrem vollen Namen ebenfalls dagegen aussprechen, ganz zu schweigen. Sie alle äußern sich gegen einen Gesetzenwurf, der in Wahrheit bestenfalls ein Placebo ist, ein eklatanter Verstoß gegen Grundsätze unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung:
Die Unterzeichner der Netzpetition sind nicht für Kinderpornografie im Netz. Sie halten von der Leyens Filter nur für keine sinnvolle Lösung, weil er die Quellen der schlimmen Bilder unberührt lässt, weil er sich leicht umgehen ließe - und sie wehren sich dagegen, dass künftig eine Polizeibehörde als oberster Zensor über falsch und richtig im Netz entscheiden soll. [...] man stelle sich vor, eine Regierung versuchte heute, kurz vor einer Bundestagswahl, noch schnell ein Gesetz durchzupeitschen, das Folgendes vorsieht: Jedes Druckwerk, das in Deutschland erscheint, jede Zeitung, jedes Buch und jedes Flugblatt, muss künftig dem BKA zur Beurteilung vorgelegt werden. Das erstellt dann Listen mit Druckwerken, die zu übel sind, um publiziert zu werden. Geheime Listen.
Das Land wäre in Aufruhr.
Das alles sollte man sich in aller Ruhe durchlesen - gerade dann, wenn man nicht zu den typischen Lesern dieses Blogs gehört, gerade dann, wenn man ansonsten mit dem Netz nicht viel zu tun hat. (Und wenn man gerade schon dabei ist, kann man gleich bei der Petition weiterlesen und überlegen, ob man sie mitzeichnen möchte.)
Mag sein, daß das hier gerade ein Strohfeuer ist, ein Sturm im Wasserglas, in einem halben Jahr vergessen. Vielleicht war der leyenhafte Versuch, wieder einmal von außen und frei von jeder Sachkenntnis über das Netz zu bestimmen aber auch der Tropfen, der das Faß endgültig zum Überlaufen gebracht und eine kritische Masse der Netzbewohner zu nachhaltigem politischemHandeln bewegt hat.
Nils und Aleks hatten eine verrückte nette Idee: Ein paar Leute zusammensuchen, die gerne fotografieren, und diese ab Montag jeden Tag ein Bild machen und ins Netz stellen lassen - und zwar die nächsten 42 Tage lang. Die Idee reizt mich, und deshalb mache ich mit - mal sehen, was dabei herauskommt. Vermutlich fallen auch ein paar Bilder für das Blog ab, damit ihr nicht wieder so lange auf den nächsten Eintrag warten müßt.
Nachdem es hier schon länger keinen Katzencontent mehr gab, will ich meinen Lesern diese Perle aus den Weiten des YouTube-Archivs nicht vorenthalten. Lehnt euch einfach zurück und entspannt euch fast drei Minuten lang!
(Für die GrünschnäbelKüken jüngeren Leser: Ja, so etwas wurde in den 1980ern wirklich in voller Länge im Fernsehen gesendet. Damals gab es halt noch Lücken im Programm, und auf YouTube findet man die Lückenfüller alle: Antje vom NDR, den NDR-Ballon, den Würfel vom WDR... )
Dieses Video dient der Planerfüllung des Blogs am Datentrampelpfad im Bereich Katzencontent.
Nicht daß ich traurig darum wäre, aber auffällig ist der Rückgang des Email-Mülls in den letzten Tagen schon. Nachdem am 11. November schon ein Hoster von Command & Control-Servernabgeklemmt wurde, was zu einem schlagartigen Einbruch in der Anzahl der Spammails führte, ist es seit gestern noch einmal ruhiger geworden. Die folgenden beiden Grafiken aus meiner Server-Überwachung zeigen das sehr schön:
Spamaufkommen der letzten zwei Wochen. Alles oberhalb von "rot" ist Müll, aber auch im blauen Bereich stecken noch Spammails.
Vergrößerung der letzten drei Tage, die sehr schön den nochmaligen Rückgang gestern und heute zeigt.
Vielleicht hat sich da noch ein weiterer Betreiber von Kontrollservern plötzlich ohne Netzanschluß wiedergefunden - oder aber die beteiligten Botnetze sind einfach nur mit anderen Dingen beschäftigt...
Man stelle sich folgendes vor: Ein Blog, in dem Politiker, sagen wir Abgeordnete des Bundestages oder Mitglieder des Bundesrates, über ihre Arbeit schreiben.
Wie es ist, ein Abgeordneter zu sein, was man so macht, wenn man neu dabei ist und seine erste Rede halten soll, wie sich das Parlament so entwickelt hat - aber auch, was man von Gesetzentwürfen der Regierung hält, welche Meinung man selbst dazu hat. Ganz unumwunden, auch wenn man den Entwurf für Unfug suboptimal hält. Und in dem man die Leser zu Kommentaren zu dem auffordert, was man selbst so schreibt. Was der Abgeordnete schreibt, nicht sein Pressereferent.
Unvorstellbar? In Deutschland vermutlich, leider. In England hingegen gibt es die "Lords of the Blog":
Lords of the Blog is an experimental project to encourage direct dialogue between web users across the world and Members of the House of Lords. Commissioned by the House of Lords, the pilot project is conducted by the Hansard Society who are working directly with Members of the Lords to bring their blogs to the wider online audience.
Dort schreiben Mitglieder des englischen House of Lords, und sie tun dies offensichtlich gerne und mit großer Offenheit - das Mitlesen lohnt sich. Es bleibt zu hoffen, daß dieses "experimental project" ein dauerhaftes wird. Und vielleicht schneidet sich der Deutsche Bundestag ja eine Schneide davon ab und hat den Mut, ein ähnliches Projekt auf die Beine zu stellen?
[...] traditionelle, vor allem am Rundfunk ausgerichtete Modelle der Medienregulierung über den Haufen geworfen [...]
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Auch die Feststellung, daß im Bereich der Medienregulierung
[...] nationale Systeme nur noch von begrenztem Wert sind [...]
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ist ja grundsätzlich nicht zu beanstanden. Die Schlußfolgerungen, die Herr Schneider dann daraus zieht, lassen es mir dann allerdings nur noch kalt den Rücken herunterlaufen und zeugen von zwei möglichen Alternativen:
Entweder er hat nicht verstanden, wie das mit dem Internet eigentlich funktioniert. Daß hier jeder Sender und Empfänger gleichzeitig sein kann, daß Dinge wie die Grenzen von Nationalstaaten oder klassischen Kulturräumen zusehends an Bedeutung verlieren und sich Menschen aufgrund ihrer Interessen zusammenfinden. Daß jeder sein Grundrecht auf freie Meinungsäußerung einfach so wahrnehmen kann und (das ist das Neue) auch gehört wird - ohne daß ein millionenschwerer Presseapparat hinter ihm stehen muß. Daß man einfach so Zugriff auf Informationen haben kann, von denen man früher nicht einmal wußte, daß es sie gibt - und damit ist nicht nur Wissen gemeint, sondern auch das, was man gemeinhin unter "Kultur" (ja, mit einem großen Anteil "Populärkultur" dabei) versteht.
Oder er weiß das alles sehr gut - und es macht ihm Angst. Angst, die Macht über die Köpfe, die Deutungshoheit zu verlieren. Und in dieser Angst schlägt er wild um sich, aus Verzweiflung - weil er weiß, daß er angezählt ist. Er und alle, die gedanklich seinem Medienmodell verhaftet sind.
Ich weiß nicht, welche der beiden Alternativen mir mehr Angst macht.
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