Schleswig-Holstein hat gewählt, und klar ist bislang nur, daß nichts so
richtig klar ist. Nachdem sich die CDU am Wahlabend schon feiern ließ,
wurde sie etwas unsanft auf den Boden der Realität zurückgeholt. Von
dort aus verkündet sie zwar trotzig und schmollend, daß der Ministerpräsident selbstverständlich von der stärksten Fraktion zu stellen sei.
Da CDU und FDP aber (jedenfalls nach den vorliegenden Zahlen) keine
Mehrheit haben und der alles entscheidende SSW von den politischen
Zielen her am ehesten zu rot-grün paßt, wird das wohl ein Wunschtraum
bleiben.
Überhaupt muß ich sagen, daß mir das, was ich vom SSW so mitbekomme,
ausnehmend gut gefällt. Er scheint der skandinavischen Politikkultur
sehr eng verbunden zu sein (was für einen Interessenverband der
dänischen Minderheit zugegebenermaßen kein großes Wunder ist) und sich
nicht vereinnahmen lassen zu wollen. Die Spitzenkandidatin widerstand
heute morgen im Radiointerview von WDR 2 standhaft allen Versuchen,
in die "aber Sie wollen doch rot-grün"-Ecke gedrängt zu werden, sondern
betonte immer wieder, daß es dem Wählerverband um die Inhalte gehe.
Eine außergewöhnliche und sehr wohltuende Einstellung in einer Zeit, in
der bei den klassischen Parteien immer weniger Kompromißfähigkeit
erkennbar ist, und in der an sich überlegenswerte Vorschläge sofort
niedergemacht werden, weil sie vom politischen "Gegner" stammen.
Schade, daß es in NRW keinen SSW gibt. Das Land könnte es gebrauchen.
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