Mit unschöner Regelmäßigkeit wird von Bildungspolitikern immer wieder bejammert, daß Studenten in Deutschland zu lange studieren. Es werden Studiengebühren (zuerst für Langzeitstudierende, mittlerweile in vielen Bundesländern allgemeine Studiengebühren) als "Anreiz" für ein schnelleres Studium eingeführt und gefordert, daß sich die Studenten doch bitteschön auf ihr Studium konzentrieren sollen.
Nicht so recht dazu passen mag die Meldung in den Radionachrichten, daß der BAföG-Höchstsatz (der von den meisten Studenten
erst gar nicht erreicht wird) von 585 Euro im Monat im fünften Jahr in Folge nicht erhöht wird. Zwar ist die Bundesregierung großzügig: Man darf in Zukunft 400 statt 350 Euro im Monat dazuverdienen. Die Frage ist nur: in welcher Zeit? Wenn man sein (im Zuge der Bachelorisierung zeitlich gestrafftes) Studium ernst nimmt, hat man in den meisten Studienfächern ohnehin schon eine 40-Stunden-Woche. Klar, man kann das Studium strecken - nur braucht man dann länger, muß höhere Studiengebühren zahlen und rutscht eventuell über die
Förderungshöchstdauer hinaus. Oder man kann einen Bildungskredit in Anspruch nehmen - und noch höher verschuldet in das Berufsleben starten, als man es als BAföG-Empfänger ohnehin schon tut. Und für Dinge wie die Pflege von Angehörigen oder ähnliches ist erst recht keine Zeit mehr.
Irgendwie lässt das alles eine klare Linie vermissen. Außer der einen: auf Teufel komm raus Geld für die Bildung sparen zu wollen. Auch auf die Gefahr hin, daß nur Vermögende noch studieren können.
Zum Vergleich: ein Hartz IV-Empfänger hat als Alleinstehender Anspruch auf maximal 663 Euro im Monat (345 Euro Regelsatz + maximal 318 Euro für Unterkunft und Heizung). Als Zuschuß, nicht zur Hälfte als Darlehen.
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