Thursday, March 12. 2009
"Wir sollten unsere Ratlosigkeit nicht zu überspielen versuchen mit scheinbar naheliegenden Erklärungen. Wir sollten uns eingestehen: Wir verstehen diese Tat nicht. Wir werden sie - letzten Endes - auch nie völlig erklären können." Bundespräsident Johannes Rau, Erfurt, 3. Mai 2002
Thursday, July 10. 2008
Es ist ja nicht so, daß Norbert Schneider, seines Zeichens Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, Unrecht mit der Beobachtung hätte, das Internet habe
[...] traditionelle, vor allem am Rundfunk ausgerichtete Modelle der Medienregulierung über den Haufen geworfen [...] .
Auch die Feststellung, daß im Bereich der Medienregulierung
[...] nationale Systeme nur noch von begrenztem Wert sind [...] ,
ist ja grundsätzlich nicht zu beanstanden. Die Schlußfolgerungen, die Herr Schneider dann daraus zieht, lassen es mir dann allerdings nur noch kalt den Rücken herunterlaufen und zeugen von zwei möglichen Alternativen:
Entweder er hat nicht verstanden, wie das mit dem Internet eigentlich funktioniert. Daß hier jeder Sender und Empfänger gleichzeitig sein kann, daß Dinge wie die Grenzen von Nationalstaaten oder klassischen Kulturräumen zusehends an Bedeutung verlieren und sich Menschen aufgrund ihrer Interessen zusammenfinden. Daß jeder sein Grundrecht auf freie Meinungsäußerung einfach so wahrnehmen kann und (das ist das Neue) auch gehört wird - ohne daß ein millionenschwerer Presseapparat hinter ihm stehen muß. Daß man einfach so Zugriff auf Informationen haben kann, von denen man früher nicht einmal wußte, daß es sie gibt - und damit ist nicht nur Wissen gemeint, sondern auch das, was man gemeinhin unter "Kultur" (ja, mit einem großen Anteil "Populärkultur" dabei) versteht.
Oder er weiß das alles sehr gut - und es macht ihm Angst. Angst, die Macht über die Köpfe, die Deutungshoheit zu verlieren. Und in dieser Angst schlägt er wild um sich, aus Verzweiflung - weil er weiß, daß er angezählt ist. Er und alle, die gedanklich seinem Medienmodell verhaftet sind.
Ich weiß nicht, welche der beiden Alternativen mir mehr Angst macht.
Saturday, June 2. 2007
Sie war hochumstritten, die Spielshow, die gestern zur besten Sendezeit im niederländischen Fernsehen ausgestrahlt wurde: Drei nierenkranke Menschen spielen um eine Spenderniere, die todkranke Spenderin sitzt mit auf der Bühne und darf am Ende entscheiden, wer von den dreien ihr Organ bekommen wird. "Darf man so etwas machen?" wurde gefragt. "Ist das nicht menschenverachtend?"
Und dann, am Höhepunkt der Show, verkündet der Moderator: Es war alles nur ein Bluff. Die Spenderin - eine Schauspielerin. Die Kandidaten eingeweiht - aber echt. Denn sie wollten die Gelegenheit nutzen, um Aufmerksamkeit für das Thema Organspende zu werben. Um deutlich zu machen, daß alleine in den Niederlanden derzeit 1300 Menschen auf das lebensrettende Organ warten.
Sicher kann man die Frage stellen, ob denn so eine Art von Werbung sein muß. Ob es nicht die Grenzen des guten Geschmacks überschreitet, so zu tun, als würden Menschen im wahrsten Sinne des Wortes um ihr Leben spielen. Aber das Konzept ist nicht neu - Wolfgang Menge hat es schon vor 37 Jahren benutzt, um das Verhältnis zu den Massenmedien zu hinterfragen. Und manchmal muß man anscheinend Grenzen überschreiten, um Menschen aufzurütteln.
Sehr vielsagend war für mich eine Szene im von der Tagesschau verlinkten Video: Eine der Kandidatinnen fragt die versammelten Journalisten, wer von ihnen denn einen Organspenderausweis habe. Die Antwort - betretenes Schweigen.
In Deutschland warten zur Zeit übrigens etwa 11.500 Menschen auf ein Spenderorgan, davon ca. 10.000 auf eine Niere. Angesichts dieser Zahlen frage ich auch meine Leser: Wer von euch trägt eigentlich einen Organspenderausweis mit sich herum? Und wenn die Antwort auch hier das große Schweigen ist: Was hindert euch am Download oder daran, euch zu informieren und einen gedruckten Ausweis zu bestellen?
Wednesday, April 25. 2007
Thomas Knüwer, seines Zeichens Journalist beim Handelsblatt, hat in seinem Weblog "Indiskretion Ehrensache" ein sehr lesenswertes Essay über die Generation Web 0.0 veröffentlicht, das zunächst für die Printausgabe des Handelsblatts geschrieben wurde. Mit diesem Begriff bezeichnet er die Generation der Entscheider, die sich stolz mit ihrer Unkenntnis moderner Medien brüsten, aber gleichzeitig weitreichende Entscheidungen über eben diese Medien treffen.
Wer sich für das Klima interessiert, in dem Auswüchse wie der Schäublesche Überwachungswahn gedeihen, dem sei dieser Artikel sehr ans Herz gelegt. Besonders auch deshalb, weil Knüwer sehr schön zeigt, daß Web-Analphabetismus keine Frage des Alters ist, sondern vielmehr eine Frage des Willens. Die Frage ist, ob sich so genannte Führungspersönlichkeiten nicht selbst für ihre Tätigkeiten disqualifizieren, wenn sie ihren Unwillen, sich mit einer immer wichtiger werdenden Kulturtechnik zu beschäftigen, so deutlich zur Schau stellen...
Wednesday, June 22. 2005
Dieses Zitat aus "Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb" hat es auf Platz 64 der Liste der 100 besten Filmzitate des American Film Institute (zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Eintrags etwas geslashdottet) geschafft. Irgendwie passend, wenn man bedenkt, daß der Film aus dem Jahr 1964 stammt.
Welche Filmzitate würden meine Leser auf eine solche Liste setzen?
Wie Spiegel Online meldet, ist an der deutschen Nordseeküste praktisch kein Tsunami zu befürchten.
Eine wirklich beruhigende Nachricht, wie ich finde. Die Frage ist nur: Was ist mit der deutschen Ostseeküste?
Monday, June 13. 2005
Vorweg: Ich habe die Bücher gelesen und als Kind die BBC-Fernsehserie gesehen (obwohl ich damals noch nicht wußte, was ich da eigentlich sehe), und ich bin durchaus ein Fan vom Anhalter im Besonderen und von Douglas Adams im Allgemeinen. Den Film habe ich allerdings noch nicht gesehen, auch wenn sich das hoffentlich bald ändern wird.
Mir fällt auf, daß in vielen Kritiken ( diese hier ist nur der Anlaß für diesen Eintrag, nicht der Grund) bemängelt wird, der Film würde sich nicht an das Buch halten.
Das soll er auch gar nicht.
Der Film ist ein eigenständiges Werk aus dem "Anhalter-Universum" von Douglas Adams. Wer sich ein wenig mit der Entstehungsgeschichte des Anhalters beschäftigt (und zum Beispiel Keine Panik! von Neil Gaiman gelesen hat), der weiß, daß sich alle Anhalter-Werke unterscheiden. Die Urfassung der BBC-Hörspielserie ist anders als das erste Buch, die Schallplatte, die Fernsehfassung, das Theaterstück, das Computerspiel und so weiter und so fort. Douglas Adams hat immer wieder Teile verändert, wenn er seine Schöpfung auf ein neues Medium "portiert" hat, und so ist es nur logisch, daß der Film als letzte Schöpfung von Adams (das ursprüngliche Drehbuch stammt ja noch von ihm) wieder ein wenig anders ist.
Für mich macht das einen Teil des Reizes aus. Ich freue mich darauf, im Film alte Bekannte wiederzusehen, und bin gleichermaßen gespannt darauf, was es neues geben wird. Einfach nur platt ein Buch abfilmen kann ja jeder.
Friday, May 13. 2005
Spiegel Online berichtet über einen Snack, der sich als völlig neue Tierart entpuppte.
Warum muß ich dabei an Futurama denken? Und was passiert, wenn die Eltern der Felsratten herausbekommen, daß ihre Kinder als Snack verkauft werden?
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