Was macht man als Verleger einer Zeitung, wenn man findet, daß das eigene Blatt ein wenig behäbig wirkt, etwas angestaubt vielleicht, nicht mehr so recht zeitgemäß? Richtig, man verpaßt dem ganzen eine Runderneuerung, auf neudeutsch auch Relaunch genannt. Normalerweise erneuert man das Layout, führt vielleicht neue Rubriken ein - aber man stützt das ganze üblicherweise auf die vorhandene Redaktion, vielleicht ergänzt durch etwas frisches Blut. Besonders dann, wenn es um den Lokalteil geht. Denn der lebt von Kontakten, davon, daß die Redakteure und freien Mitarbeiter sich in ihrer Umgebung auskennen und wissen, wann und wo es etwas interessantes gibt.
Die
Münstersche Zeitung macht das anders - sie
wirft die ganze Lokalredaktion raus, auf amerikanische Art. Dem Artikel nach zu urteilen hatte man es zuerst mit einer Art von Mobbing versucht, aber Westfalen sind stur und halten auch unter widrigen Umständen aus. So hat man der Redaktion (die zum Teil schon seit Jahrzehnten für die MZ schreibt) dann halt kollektiv verkündet, sie habe heute ihre letzte Ausgabe der Zeitung produziert. Man könne sich ja beim neuen Subunternehmen bewerben. Gottseidank scheint es dort einen Betriebsrat zu geben, so daß der Verlag sicherlich noch ein paar unangenehme Fragen nach Dingen wie "Kündigungsschutz" und "Sozialplan" zu beantworten haben wird.
Warum wundert es mich nicht, daß dieser Vorgang sich bei der Zeitung in Münster abspielt, die gemeinhin als der perfekt gewellten, gelben Spaßpartei nahestehend gilt?
Nachtrag: Auch bei Indiskretion Ehrensache hat man seine Meinung zu den Vorgängen.
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