Sie war hochumstritten, die Spielshow, die gestern zur besten Sendezeit im niederländischen Fernsehen ausgestrahlt wurde: Drei nierenkranke Menschen spielen um eine Spenderniere, die todkranke Spenderin sitzt mit auf der Bühne und darf am Ende entscheiden, wer von den dreien ihr Organ bekommen wird. "Darf man so etwas machen?" wurde gefragt. "Ist das nicht menschenverachtend?"
Und dann, am Höhepunkt der Show, verkündet der Moderator: Es war alles nur ein Bluff. Die Spenderin - eine Schauspielerin. Die Kandidaten eingeweiht - aber echt. Denn sie wollten die Gelegenheit nutzen, um Aufmerksamkeit für das Thema Organspende zu werben. Um deutlich zu machen, daß alleine in den Niederlanden derzeit 1300 Menschen auf das lebensrettende Organ warten.
Sicher kann man die Frage stellen, ob denn so eine Art von Werbung sein muß. Ob es nicht die Grenzen des guten Geschmacks überschreitet, so zu tun, als würden Menschen im wahrsten Sinne des Wortes um ihr Leben spielen. Aber das Konzept ist nicht neu -
Wolfgang Menge hat es schon
vor 37 Jahren benutzt, um das Verhältnis zu den Massenmedien zu hinterfragen. Und manchmal muß man anscheinend Grenzen überschreiten, um Menschen aufzurütteln.
Sehr vielsagend war für mich eine Szene im
von der Tagesschau verlinkten Video: Eine der Kandidatinnen fragt die versammelten Journalisten, wer von ihnen denn einen Organspenderausweis habe. Die Antwort - betretenes Schweigen.
In Deutschland warten zur Zeit übrigens etwa 11.500 Menschen auf ein Spenderorgan, davon ca. 10.000 auf eine Niere. Angesichts dieser Zahlen frage ich auch meine Leser: Wer von euch trägt eigentlich einen Organspenderausweis mit sich herum? Und wenn die Antwort auch hier das große Schweigen ist: Was hindert euch
am Download oder daran, euch
zu informieren und einen gedruckten Ausweis zu bestellen?
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